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Autor Thema: Albert Schweitzer und seine Predigten  (Gelesen 1610 mal)
Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #15 am: 23. März 2008, 01:17:30 »

(Fortsetzung der Predigtbotschaft Schweitzers)


Das Heil ist nicht eigenes Verdienst, sondern Geschenk Gottes. Nicht die Arbeit bringt Erlösung, sondern die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, wie ihn Jesus lehrt und verwirklicht. «Lebendig ist Jesus für die, die er, als ginge er unter uns, leitet in großen und in kleinen Dingen, um ihnen zu sagen: Tu das so und das so; und die einfach ja sagen und still dahingehen und tun.»

Dieses Hinhören auf Jesus und das entsprechende Handeln bezeichnet Schweitzer oft als Mystik, die zur Ethik, zum richtigen Verhalten führt.
Sehr schön hat E. Gräßer das beschrieben: «Mit ganzer Seele etwas tun, das ist für Schweitzer Mystik! Die Mystik ist das Feuer der Ethik.»

Bildhaft sieht er das ausgedrückt in der Aufforderung Jesu, wie die Kinder zu werden, um das Reich Gottes zu finden [Mt. 18,3].
Das «Sein wie ein Kind» ist «eine Einfachheit und Ursprünglichkeit des Denkens, Empfindens und Wollens, die wir uns wahren und immer mehr erwerben müssen, um nicht durch das, was wir um uns hören und sehen, und durch das, was von außen auf uns wirkt, irre zu werden. Wir sollen immer so unbefangen mit allen Fragen und Überlegungen, die wir in uns fühlen, an die Dinge herangehen, wie es ein Kind tut.»


Viermal hat Schweitzer bis 1913 über dieses Bibelwort gepredigt. Darum ist gesagt worden, bis zur Ausreise nach Lambarene sei der Gedanke der Arbeit am Reich Gottes, wie es Jesus getan hat, im Mittelpunkt der Verkündigung gestanden. Nach dem Krieg sei er dann zum Apostel der «Ehrfurcht vor dem Leben» geworden.

Die Predigten nach dem Ersten Weltkrieg zeigen, daß das nicht stimmt. Es geht Schweitzer immer noch um das gleiche Thema wie vorher, nur der Ausdruck hat gewechselt. Er sagt es selber so: «Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben ist die ins Universelle erweiterte Ethik der Liebe. Sie ist die als denknotwendig erkannte Ethik Jesu.» Auch jetzt versteht er sich als Prediger des Evangeliums Jesu.

Zudem ist festzuhalten, daß Schweitzer schon früh Gedanken ausgesprochen hat, die dann später in den ethischen Predigten wieder auftauchen. So nennt er schon im Jahr 1900 den Tierschutz eine selbstverständliche Christenpflicht.  Der Ausdruck «Ehrfurcht» kommt zum ersten Mal im Jahre 1909 vor.

Weil für ihn das Wichtigste die Gemeinschaft mit Jesus ist, steht Schweitzer den Sakramenten positiv gegenüber.
Vielleicht ist es sogar die Einsicht, daß sie in der frühen Christenheit einen viel größeren Stellenwert hatten, die ihn für die Sakramente einnehmen.
«Für uns sind die Sakramente eine Frage neben andern. Sieht man aber auf die Stellung, welche die Sakramente in dem Leben und Glauben der urchristlichen und altchristlichen Kirche einnahmen, so kann man sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß sie das innerste Zentrum repräsentieren.»

Obschon er um die historische Herkunft von Taufe und Abendmahl bestens Bescheid weiß und darlegt, daß sie beide ursprünglich Zeichen auf die baldige Vollendung des Reiches Gottes gewesen sind, streicht er ihre Bedeutung für uns heute heraus. «Taufe und Abendmahl existieren von Anfang an als eschatologische Sakramente in der Bewegung, die sich dann als Christentum vom Judentum loslöst», schreibt er in der Geschichte der Leben Jesu-Forschung. Heute aber sind sie für uns Weihehandlungen, die uns zur Dankbarkeit anleiten für das, was Gott uns tut, und die uns helfen, unsern Weg im Vertrauen auf Gott zu gehen, wie es Jesus getan hat. Darüber dürfen wir uns freuen und brauchen nicht über das Wie nachzugrübeln. Auch das Problem der Kindertaufe läßt er nicht unberührt.

In gleicher Weise steht er der Trauung und der kirchlichen Bestattungsfeier bejahend gegenüber. Bei beiden geht es darum, dem Anlaß die «religiöse Weihe» zu geben, d. h. auf den Zusammenhang mit Gott hinzuweisen. Diese Weihe darf aber selbstverständlich keine äußere Formsache bleiben, sondern muß innerlich mitvollzogen werden.

Wie sehr Schweitzer auf die wahre Einstellung Gewicht legt, zeigt der Briefausschnitt an Helene Bresslau, wo es um die Trauung von Elly Knapp und Theodor Heuss geht: «Gestern abend auf dem Heimweg bin ich noch zu Knapps hinaufgegangen. Elly hielt mich zurück und bat mich, am Samstag vor Ostern ihre Trauung vorzunehmen! Wir haben lange miteinander gesprochen ... und schließlich habe ich es ihr zugesagt. Ich bin froh, so ernsthaft mit ihr gesprochen zu haben. Jetzt kann ich ihre Trauung mit voller Überzeugung machen.»

Von daher ist es logisch, daß Schweitzer sich auch immer wieder darum bemüht, die Kirche trotz ihrer Schwäche und Unvollkommenheit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern lieb zu machen. J. Zürcher, der Bearbeiter des Nachlasses, hat das mit folgenden Worten umschrieben: «Er schätzte die äußeren Formen der Kirche und der Liturgie, der institutionalisierten Religion; seine dogmengeschichtliche Kritik richtete sich nicht gegen das Brauchtum, dessen lebensformende Bedeutung er positiv bewertete, sondern gegen das Nichterkennen und Verschweigen der historischen Bedingtheit aller überlieferten Vorstellungen, Dogmen und Lehrsätze. Er wollte also, daß in den äußeren Formen, gleichsam wie in Gefäßen, der kostbare Inhalt einer wirklich geistigen Religion, einer denkend erfaßten und in ihrer ethischen Bedeutung wirksam werdenden Religion, gehütet, bewahrt und weitergegeben werde.»

Darum fühlt er sich als Helfer derjenigen, die wohl glauben möchten, aber mit den formulierten Glaubenssätzen der Kirche nichts mehr anfangen können.

«Kein Christ darf etwas ungeprüft als Glauben annehmen.
Nicht der Unglaube ist der gefährlichste Feind des Christentums, sondern die Gedankenlosigkeit,
die da wähnt, wir müssen nun etwas, weil es im Glaubensbekenntnis überliefert ist, einfach annehmen.»


Beispiel mag eine Osterpredigt sein, in der er ausführt: «Heute trägt jeder Kirchgänger eine Entscheidungsfrage an seinen Pfarrer mit sich: Wie denkt er über die Auferstehung? Stellt er sich die Auferstehung des Herrn als etwas Leibliches oder Geistiges vor? Und ich darf gleich hinzusetzen, daß ihr heute manchen Pfarrer in Verlegenheit bringt, daß er seine Worte so wählt, daß er sich weder für das eine noch für das andere ausspricht, um keinem Anstoß zu geben. Da ich nun aber meine, es muß zwischen mir und euch immer offen und ehrlich zugehen, so schicke ich voraus, daß ich über die Auferstehung mehr geistig denke, und meine auch, daß der geistige Christus den Jüngern sich offenbart hat ...»


« Letzte Änderung: 23. März 2008, 02:12:35 von Epidophekles » Gespeichert
Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #16 am: 23. März 2008, 01:27:30 »


BD 1482  empfangen 20.6.1940
Sündenvergebung .... Unfehlbarkeit .... Schematische Handlungen ....


Der vermeintliche Akt der Sündenvergebung ist nur das Sinnbild dessen, was der Herr gelehrt hat auf Erden. Es ist durchaus keine Form zu erfüllen nötig, denn es ist die Vergebung der Sünden nur allein davon abhängig, wie weit sich der Mensch Gott gegenüber seiner Sünden schuldig fühlt und er dies in inniger Zwiesprache Ihm bekennt und von Ihm Erbarmen und Vergebung seiner Schuld erbittet. Es ist die Form wieder nur eine Gefahr für die Seele, denn es wird eine Handlung mechanisiert, die viel zu innerlich ist oder sein soll, als daß sie nach außen kenntlich gemacht werden darf.

Das öffentliche Bekennen der Sünden ist ein Akt, der zur Oberflächlichkeit führen kann, indem sich der Mensch gleichsam einer zeitlich festgesetzten Handlung anschließt, ohne innerlich so mit Gott zu stehen, daß ihm das Bekenntnis seiner Sündenschuld Bedürfnis ist.

Lebendig soll alles sein, was ihr um euer Seelenheil willen tut, und es kann leicht eine solche Zeremonie zu einer toten Handlung werden, denn es sind nicht alle Menschen zur gleichen Zeit so von Gott durchdrungen, daß sie sich Ihm enthüllen in ihrer ganzen Schwäche und Sündenschuld. Dies jedoch ist Voraussetzung der Sündenvergebung, und alle äußeren Handlungen sind nur das Sinnbild dessen, was dem Willen Gottes entspricht, nicht aber die Erfüllung des göttlichen Willens.

Wenn nun der Geist aus Gott euch hinweist auf die Gefahr, in die ihr selbst euch begebt, so sollt ihr euch nicht auflehnen, sondern eurem himmlischen Vater von Herzen dankbar sein, daß Er euch recht weist, denn ihr verschwendet viel Kraft auf die Erfüllung äußerer Formen, die ihr eurer inneren Förderung zuwenden solltet. Ein inniger Gedanke voller hingebender Liebe trägt euch ein unendlich größeres Gnadenmaß ein als das eifrige Befolgen der Kirchengebote, die ohne Gottes Zustimmung den Menschen gegeben wurden.

Es verschanzen sich die Vertreter dieser Lehren wieder hinter einer menschlich entstandenen Lehre von der Unfehlbarkeit des Kirchenoberhauptes in geistlichen Verfügungen. Alles, was den Menschen geboten wird von oben, ist reinste Wahrheit, Gott aber gibt nur durch Seine Sendungen von oben Seinen Willen kund, niemals aber wird Er die Menschen bestimmen oder sie durch Zwangsmaßnahmen zum Befolgen Seines Willens veranlassen wollen. Denn dieses widerspricht gänzlich dem aus göttlicher Liebe und Weisheit hervorgegangenen Gesetz der Freiwerdung des Wesens durch eigenen Willen.

Es ist ein von menschlicher Seite erlassenes Gebot ein Eingriff in göttliche Verordnungen .... es werden nie und nimmer von Gott solche Gebote gut geheißen werden, die den Menschen zwangsmäßig zu Taten veranlassen, wenngleich der eigene Wille offiziell zur Bedingung gemacht wird. Der Wille des Menschen aber läßt sich nicht schematisch zur Tätigkeit entfalten, denn dann ist er nicht mehr frei, sondern schon gebunden durch den Willen dessen, der durch solche Gebote den Menschen bestimmte Zeiten vorschreibt, wo der Mensch also zu seiner Pflichterfüllung herangezogen wird.

Es ist ein so großer menschlicher Irrtum, der das hervorsprießende Pflänzchen des inneren Verlangens nach Gott zu ersticken droht, so nicht die Liebetätigkeit eines Menschen ganz besonders rege wird, und nun die Erleuchtung des Geistes ihm plötzlich die Erkenntnis bringt vom eigentlichen Willen Gottes. Dann erst wird er sich frei machen können von einer Lehre, die durch menschliches Zutun schon erheblich abweicht von der Lehre, die Christus auf Erden den Menschen Selbst gegeben hat. Es wird der Mensch zumeist bestrebt sein, seine Pflicht zu erfüllen, und das ist die größte Gefahr für die Seele .... Denn sie strebt nicht bewußt nach Vollkommenheit, weil ihr gewissermaßen ein Plan vorgelegt wird, dessen Ausführung sie sich angelegen sein läßt und durch die Vorarbeit, die menschlicherseits geleistet wurde, sie ihre eigene Seelenarbeit vernachlässigt, jedoch im Glauben ist, Gott, dem Herrn, wohlgefällig zu leben ....

Amen
 
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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #17 am: 23. März 2008, 01:34:35 »

(Fortsetzung der Predigtbotschaft Schweitzers)

«Wir aber haben keine Angst vor der Wahrheit, die die Forschung über das Neue Testament und die Anfänge unserer Religion ans Licht bringen könnte. Wir dämpfen sie nicht; wir wagen, alles zu untersuchen und alles zu prüfen und das Tatsächliche überall anzuerkennen, weil wir wissen, daß nichts das wahre Fundament unseres Glaubens, den Geist, der von den Worten unseres Herrn ausgeht, antasten kann.»

Natürlich geht Schweitzer nicht bei jeder Predigt auf solche wissenschaftlichen Fragen ein. Aber er redet nicht um den heißen Brei herum. Umgekehrt kann seine tolerante Haltung mißverstanden werden. So zum Beispiel, wenn er bei der oben zitierten Osterpredigt weiterfährt: «Aber wie jeder auch darüber denken mag, wenn nur heute allenthalben der lebendige Christus lebendig gepredigt wird.» Es geht ihm auch hier darum, daß die Leute verstehen, was ihnen Jesus in ihrer Lage zu sagen hat. C. Frey formuliert es so: «Schweitzer will dem heutigen Menschen verständlich machen können, worin die Bedeutung Jesu für uns heute besteht.»

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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #18 am: 23. März 2008, 01:36:38 »


Albert Schweitzer: Nachmittagspredigt Ostersonntag, 3. April 1904, St. Nicolai


Joh. 14,27: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch
 
Heute trägt jeder Kirchgänger eine Entscheidungsfrage an seinen Pfarrer mit sich: Wie denkt er über die Auferstehung? Stellt er sich die Auferstehung des Herrn als etwas Leibliches oder Geistiges vor? Und ich darf gleich hinzusetzen, daß ihr heute manchen Pfarrer in Verlegenheit bringt, daß er seine Worte so wählt, daß er sich weder für das eine noch für das andere ausspricht, um keinem Anstoß zu geben.

Da ich nun aber meine, es muß zwischen mir und euch immer offen und ehrlich zugehen, so schicke ich voraus, daß ich über die Auferstehung mehr geistig denke, und meine auch, daß der geistige Christus den Jüngern sich offenbart hat und daß es mit dem innerlichen Glauben nichts zu tun hat, wieviel sie nun nach den Berichten der Evangelien an dem geistigen Christus noch Leibliches schauten oder zu schauen meinten. Aber wie jeder auch darüber denken mag, wenn nur heute allenthalben der lebendige Christus lebendig gepredigt wird, wie schon St. Paulus schreibt an die Philipper: «Daß nur Christus verkündigt werde auf allerlei Weise» [Phil. l,18].

Darum ist es meine einzige Sorge, euch den lebendigen Christus lebendig zu verkünden, den wahren Auferstandenen, wie er sich jetzt noch den Seinen offenbart, und nur sofern und soweit er mir selbst offenbar geworden, kann ich euch lebendig und wahrhaftig von ihm reden. Vom Auferstandenen reden, heißt reden von dem, was man gesehen hat, nicht etwas nachreden.

Denn er ist heute noch derselbe wie am ersten Ostermorgen, und als derselbe geht er noch heute unter den Menschen um: als der Friedenschristus. «Friede sei mit euch!» [Joh. 20,19], das war sein Gruß. Und als sie diesen Gruß hörten und sein Frieden über sie kam, da wußten sie, daß er dagewesen. Und wer heute diesen Gruß hört und mit seinem Frieden beglückt wird, der weiß, daß er lebt. Denn was lebendig von seiner Person auf der Erde zurückgeblieben, das Wesen seiner überirdischen Person, das ist sein Friede. Hat er doch selbst zu den Jüngern gesagt: «Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.»

Wer kann beschreiben, was dieser Friede ist? Es ist nicht ein Zufriedensein. Das ist der Friede der Welt, nach dem sie strebt und jagt, und der doch nirgends ist, weil er nicht ist. Ein Mensch meint, den Frieden zu finden, wenn er in seinem Leben alles eingerichtet, alles geglättet, alles ausgepolstert hat. Aber wenn er es auch für einen Augenblick erreicht, sie dauert nicht an, die Zufriedenheit, und macht Platz der Leere und der Unruhe. Dem inwendigen Menschen aber gibt sie gar nichts, diese Zufriedenheit: Sie läßt ihn arm.

Darum glücklich die, welche diesen Trug des Lebens durchschaut haben, die wissen, daß alles Glück und alle Freude, aller Erfolg und alles Erreichen ihnen nur Zufriedenheit, aber nicht Frieden geben kann. Ich meine, glücklich die Menschen, die in diesem Sinne mit dem Leben fertig sind und nicht mehr von ihm erwarten, als es geben kann, und wissen, daß es das innerlichste, tiefste, das wahre Glück, das Glück, von dem wir leben müssen, nicht geben kann.

Glücklich die Menschen, die dem Leben abgestorben sind. Manche sterben ihm schmerzlos ab, weil das Sehnen nach dem wahren, inneren Glück ihnen die Augen öffnet über das, was ihnen das Leben nicht geben kann, und die dann ihr Leben so gebrauchen, daß an ihnen das Wort des Apostels Paulus in Erfüllung geht: «Und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die da kaufen, als besäßen sie es nicht» [1 Kor. 7,30]. Andere muß Gott schwere Wege führen, damit sie über das Leben hinauskommen, und nicht schmerzlos sterben sie dem Leben ab. Sterben heißt: frei werden von dem Leben, nicht erst mit dem leiblichen Tod, sondern schon im Leben selbst. Nur diese Menschen sind empfänglich für seinen Frieden; denn sein Friede ist der Friede des Gestorbenen und Auferstandenen.

Kennt ihr diesen Frieden? Dann wißt ihr, daß Christus lebendig ist, und keiner kann es euch besser verkünden und besser lehren, als ihr es selbst wißt; denn dieser Friede, das ist sein unsichtbares Wesen selbst, das immer wieder und immer wieder lebendig wird in den Menschen.

Und wenn mich jemand fragte: Glauben Sie an die leibliche Auferstehung Christi, dann würde ich sagen: Ja! Wo der Friede des Auferstandenen in irdischen, leiblichen Menschen wohnt und ihnen zum Leben wird, das ist die wahre, ewige, leibliche Auferstehung Christi. Das ist die Lehre des St. Paulus, da er sagt: «Ihr seid der Leib Christi» [1 Kor. 12,27] und in der Epistel an die Römer: «Wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln» [Röm. 6,3 f].

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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #19 am: 23. März 2008, 01:46:38 »

Zitat
----- Original Message -----
From: ISchneuing@a-o-l.com
To: Alois
Sent: Saturday, March 22, 2008 3:10 PM
Subject: Re: Das Wissen um die Urschuld ist nötig, um das Erlösungswerk zu verstehen ....

Hallo Alois,

Was ist Sündenvergebung? Daß uns Gott wieder Lebensfreudigkeit gibt. (A.Schweitzer)

Kann man das so unwidersprochen stehen lassen???
Ingo

B.D. 8806


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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #20 am: 23. März 2008, 01:50:40 »

Zitat
----- Original Message -----
From: AndreRademacher
To: Alois. E. Kaelin
Sent: Monday, March 17, 2008 10:35 AM
Subject: Albert Schweizer

Lieber Alois,

Ich habe gerade einmal zu der Person Schweizer geschaut. Mag er noch so Sozial nach außen hin gewesen sein. (Was bei Gott nicht zählt)

Christus hat er nicht als persönlichen Erlöser angenommen und Er hat somit keinen Anteil am Himmel.
Vom innewerden und dem Weg zu Gott kann er auch nichts berichten. Er hegte eine sehr große Liebe für das natürliche Leben und vom sterben in Gott wollte er gar nichts Wissen.

Ein Zeugnis für den Heiland kann er somit nicht abgeben und Ich hoffe das er Mittlerweile zur Vernunft gekommen ist. Denn das kritisieren von anderen und Forschen in Papieren bringt keinen zu Gott

Grüße

André

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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #21 am: 23. März 2008, 01:57:13 »

Zitat
----- Original Message -----
From: AndreRademacher
To: Alois. E. Kaelin
Sent: Thursday, March 20, 2008 1:32 AM
Subject: Schweitzer


Lieber Alois,

Du kannst lesen was du willst, von Albert Schweizer habe Ich darum abgeraten weil er nach seinem eigenen Gusto auslegt.
Seine Interpretationen fanden bei echten Christen kein Gehör. Darum zur geistigen Erbauung nicht geeignet.

 

Und solche Fragen des Erschreckens hat jedes von euch - und wir alle gehen dem entgegen, was uns bestimmt ist, aber wir sind froh und zuversichtlich: Wir wissen, daß alles, was uns geschehen wird, ob es von Gott oder von den Menschen kommt, ob es körperlich oder geistig ist: Es ist sein Leiden, das an uns offenbar wird. Wir wissen, und wir haben es schon in dunkeln Stunden erlebt, daß dann etwas Wunderbares geschieht; wenn wir im dunkelsten Dunkel umherirren und anstoßen und keinen Ausweg finden, dann erscheint sein stilles, ernstes Gesicht und blickt dich milde an, und seine Hand faßt die deine, und er sagt: Ich bin's; ich bin mit dir; verstehst du's jetzt? - Was kann es denn auf dieser Welt noch Schweres geben?

 

Lieber Alois, Er hat in seinem Leben bis zum Tode die Vergebung Christie für seine Taten nicht erlangt. Ja Christus nicht einmal gefunden.
Es war sein eigener Christus dem er huldigte. Mir tut dieser Mensch leid und Ich hoffe dass seiner Verwirrung Erkennen durfte.

Grüße
André


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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #22 am: 23. März 2008, 02:11:20 »

(Fortsetzung der Osterpredigt von Albert Schweitzer)

Nun, siehe, so viel ein jeder von euch weiß, was das heißt, der Welt gestorben sein und innerlich von dem Frieden Christi leben, so viel feiert er Ostern in Wahrheit. Und wenn diese Worte für ihn keine lebendige Bedeutung haben, wenn nichts in seinem Leben ihnen entspricht, dann kann er Ostern mitfeiern, aber für sich feiern kann er es nicht; er kann sich freuen, aber es ist noch nicht die wahre Freude, denn er hat seinen Frieden noch nicht empfangen. Er ist wie die Jünger, die den Herrn auch kannten und liebhatten, da sie seine Worte hörten und mit ihm lebten: Aber zum wahren Leben in ihm erwachten sie erst, als er ihnen erschienen. Sie hatten viel von ihm gehalten und wußten, daß er groß war, aber erst als sie in Niedergeschlagenheit und Furcht dasaßen und sein Friede dann über sie kam, da wußten sie wirklich, wer er war. So kennen auch diejenigen unter euch, über die sein Friede gekommen, ihn besser, als er in der Schrift beschrieben und in seinem Worte lebt: Sie kennen ihn als den lebendigen Herrn des Friedens.

Aber er gibt ihn nicht umsonst, diesen Frieden; denn es ist kein Ausruhen, keine Zufriedenheit, nicht Abendfriede, sondern Sonnenaufgangsfriede, ein Friede des Lebens der Tat. Als er den Jüngern erschien, da fing das Leben für sie erst an, und sie mußten nun hinaus, ob sie wollten oder nicht, und für ihn leben. Und immer noch ist es so: Wer von euch wirklich seinen Frieden empfangen, der weiß, daß etwas daran ist vom Nichtmehrkönnen, wie man will, mit dem dann diese Freudigkeit, diese Zuversicht, dieses Hinausgehobensein über das Leben verbunden ist.

Im Mittelalter kam es vor, daß freie Menschen ihren Besitz einem mächtigen Herrn zuwiesen, um ihn von ihm wieder zum Lehen zu empfangen, damit sie unter seinem Frieden lebten. So meine ich, daß die, welche mit seinem Frieden beglückt werden, ihm ihr Leben zu eigen geben, um es als sein Lehen wieder zu empfangen. Wir sind nur bescheidene, schwache Menschen, und doch, ein klein wenig von dem größten Worte seines größten Apostels dürfen wir für uns nehmen, wenn wir wirklich Frieden gefunden haben in ihm: «Ich lebe, doch nicht hinfort ich lebe, sondern Christus lebt in mir» [Gal. 2,20].

So komme er denn und halte Ostern in uns; daß er doch in uns einen Saal finde, gepflastert und bereitet wie dort, da er zu Jerusalem seine Jünger sandte mit den Worten: «Gehet hin zu dem und dem und sprecht zu ihm: Der Meister läßt dir sagen: Ich will bei dir Ostern halten» [Mt. 26,18].


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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #23 am: 23. März 2008, 08:32:55 »


BD 8434  empfangen 9.3.1963
Zusicherung des Schutzes gegen Verwirrung und Anfeindung ....

Wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, in der Endzeit erlösend tätig zu sein, dem werden von seiten Meines Widersachers immer wieder Schwierigkeiten bereitet werden, weil er sich mit allen Mitteln dagegen wehrt, daß der Menschheit Licht gebracht werde in der dunklen Nacht, die über der Erde gebreitet liegt. Es wird daher auch überaus schwer sein, die reine Wahrheit .... Mein Wort, das aus der Höhe euch Menschen zugestrahlt wird .... zu verbreiten, weil von allen Seiten dieses verhindert werden wird, denn die Menschen wissen es nicht, wieweit sie schon Meinem Gegner verfallen sind, wenn sie dieses Wort ablehnen und sich gegen dessen Verbreitung sträuben. Aber es ist eine krasse Erscheinung in der Endzeit, wo das Treiben Meines Gegners entlarvt werden soll und er selbst alle Mittel anwendet, dies zu verhindern, und je weiter die Zeit vorschreitet, desto offensichtlicher wird dieser Kampf der Finsternis gegen das Licht hervortreten, und es wird eine Verwirrung menschlichen Denkens zu erkennen sein, das wahrlich schon als geistiges Chaos anzusehen ist .... Denn auch die gutwilligen Menschen werden es schwer haben, sich recht zu entscheiden. Doch der Strahl, der von oben auf diese herniederfällt, hat hellste Leuchtkraft, und er wird die Herzen derer wohltätig berühren, die nur verlangen nach Wahrheit, nach gerechtem Denken, nach dem Wort Gottes, nach der rechten Speise für ihre Seelen ....

Und diese werden sich nicht täuschen lassen, und ob Mein Gegner noch so anzurennen sucht gegen die Mauer eures Glauben ....

Denn Ich Selbst bin mit denen, die Mir vollbewußt dienen und Meine letzten Jünger genannt werden können, die Ich Selbst wieder unterweise und ihnen den Auftrag gebe, hinauszugehen in die Welt .... d.h., Mein Wort zu verbreiten, das Ich Selbst zur Erde leite, weil die Menschen nötig die Wahrheit brauchen. Und diese können auch Meines Schutzes und Meiner Führung gewiß sein .... Immer werde Ich alles so an sie herankommen lassen, wie es dienlich ist für ihre Aufgabe, die sie erfüllen sollen und auch können mit Meiner Hilfe.

Und am inneren Frieden werden sie selbst es feststellen können, daß Ich mit ihnen bin,
denn diesen gebe Ich allen, die Meinen Willen erfüllen ....
so daß ihr daraus auch ersehen könnet, ob euer Tun und Lassen gesegnet ist, ob es Meinem Willen entspricht ....


Denn Ich habe euch Meinen Frieden zugesagt, auf daß ihr Mich Selbst und Meine Gegenwart erkennet, denn wo Ich Selbst bin, da muß auch Mein Friede euch erfüllen, und dort ist auch die Möglichkeit gegeben, die reine Wahrheit zur Erde zu leiten, die euch gleichfalls Meine Gegenwart beweiset.

Was nun an euch herantritt, das nehmet als von Mir gewollt oder zugelassen hin ....

So achtet auch immer eures inneren Gefühls, und ihr werdet das Rechte annehmen und alles Falsche ablehnen, wenn auch Mein Gegner sich euch gegenüber zu entäußern sucht ....

Meines Schutzes könnet ihr stets gewiß sein, und dieser besteht vorwiegend darin, daß Ich euer Denken recht richte, daß Ich euch schütze vor jeglicher Verwirrung, die Mein Gegner in euch anrichten will.

Wer Mir dienet, der kann sich auch beschützt wissen, und ihm wird der Gegner nicht viel anhaben können, aber er wird immer wieder versuchen, sich einzudrängen, um die reine Wahrheit zu untergraben ....

Der starke Glaube an Mich und Meine Liebe ist euch jedoch der stärkste Selbstschutz, denn Ich werde einen solchen Glauben wahrlich nicht zuschanden werden lassen, und ihr könnet unbesorgt eintreten für das Geistesgut, das ihr empfanget, und es als reinste Wahrheit weiterleiten, es wird euch kein Gegeneinwand erschüttern in diesem Glauben, und dann seid ihr Mir auch die rechten Diener, durch die Ich Selbst wirken kann in der letzten Zeit vor dem Ende.

Der Kampf gegen die Finsternis wird nicht leichter werden, es wird der Fürst der Finsternis stets mehr Verwirrung anrichten, er wird euch anfeinden, und es werden falsche Christi und falsche Propheten erstehen, die wider euch ziehen .... Ihr werdet rechnen müssen mit öffentlichen Anfeindungen und Verfolgungen, doch Meines Schutzes nicht zu entbehren brauchen, weiß Ich es doch, wie nötig eure Arbeit ist für Mich und Mein Reich und wer dazu befähigt ist .... Nur euren ganzen Willen sollet ihr Mir schenken, die Arbeit in Meinem Weinberg soll euch das Wichtigste und Vordringlichste sein und alles andere hintenangestellt werden ....

Und ihr sollet auch alles als Meinen Willen betrachten, wodurch ihr gehindert werdet, der Welt noch zu dienen ....

Ich weiß es, welche Mittel Ich anwenden muß, um euch ganz und gar für Mich zu gewinnen, und darum schließe Ich euch ab von der Welt, die ihr geistig sein wollet, indem ihr von Mir Mein Wort empfanget, weil jeglicher weltliche Gedanke ein Hindernis sein kann und weil es nicht mehr viel Zeit ist bis zum Ende und in dieser Zeit Ich allen Menschen noch zum rechten Erkennen verhelfen möchte ....

So fürchtet euch nicht vor Meinem Gegner und seinem Wirken, denn Meine Liebesorge werdet ihr erfahren bis zuletzt, die ihr Mir dienet im freien Willen, die ihr als Meine letzten Jünger das Evangelium hinauszutragen bereit seid ....

Amen
 
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Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #24 am: 24. März 2008, 08:14:34 »

Albert Schweitzer
Morgenpredigt 3. Sonntag nach Ostern, 24. April 1904, St. Nicolai 23)

Mt. 28,20: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende

Es ist ein Wort wie ein Sonnenaufgang: als stände man auf einem hohen Berge und sähe die fernsten Gipfel und Täler von einem Lichtstrahl er­leuchtet: «Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.»

Das letzte Wort des Auferstandenen an seine Jünger. Für manche un­ter euch könnte es dadurch etwas von seiner Schönheit und Wahrheit einbüßen, da sie nicht annehmen können, daß Jesus, nachdem sein menschliches Dasein aufgehört, zu seinen Jüngern noch in Menschen­worten geredet habe. Aber ich meine, es kommt vor allem auf die ewige Wahrheit an. Die Einkleidung dieses Wortes, wonach der Auferstan­dene dieses Wort an seine Jünger richtete, um sie zu stärken und zu trö­sten, mag ein Symbol, mag ein Gleichnis sein, das, worauf es für uns ankommt, ist, ob wir wissen, was es heißt, ob wir es an uns erfahren haben: «Ich bin bei euch.»

Was ist doch schon die geistige Gemeinschaft mit einem Menschen für eine Kraft. Was sind doch die Menschen so arm, die geistig allein sind, die niemand haben, der sie versteht und ermutigt, doppelt arm, wenn sie nicht einmal das Bedürfnis danach haben. Je mehr man im Le­ben vorwärtskommt, desto mehr erkennt man, wie die wahre Kraft und das wahre Glück uns von denjenigen Menschen herkommt, die uns gei­stig etwas sind, ob sie nah oder fern sind, ob sie noch leben oder schon gestorben sind, wir brauchen sie, um den Weg durchs Leben zu finden, und das Gute, was wir in uns tragen, das wird erst durch ihre geistige Nähe Leben und Tätigkeit.*)

Wenn ich das Wort ewiges Leben höre, denke ich nicht zuerst an das fried- und freudvolle Dasein derer, die überwunden haben, sondern an das ewige Leben, wie es mir als geistige Gegenwart solcher, die nicht mehr sind, und solcher, die noch sind, offenbar geworden, an die Men­schen, die ich nahe fühle, nicht als irdische Existenzen, sondern als gei­stige Wesen.

Und wenn schon irdische Menschen mit ihren Schwächen und Ge­brechen so viel für uns sein können, wieviel mehr er, in welchem alles Reine, alles Geistige, alles Ewige beschlossen ist. In diesem Worte «Ich bin bei euch» liegt das Schicksal eines jeden Menschenlebens. Diejeni­gen, welche sagen können: Ja, es ist so, ich weiß, was das ist, seine gei­stige Nähe, die sind reich und glücklich, daß man es nicht in Worten ausdrücken kann, und die andern, denen es nichts Lebendiges, nichts Erlebtes besagt, dieses Wort, sind arme, arme Menschen, wenn sie es auch selbst nicht ahnen.

Aber wie ihn finden? Er ist da, in den Evangelien, in der Lehre der Kirche, wahrhaftig da. In den Evangelien steht sein Leben hienieden beschrieben, und in der kirchlichen Lehre, was er für uns war, und doch gehen so viele an ihm vorbei und finden ihn nicht und verbringen ihr Leben, ohne wahrhaft seine geistige Nähe zu verspüren. Ich rede nicht bloß von denen, für die das Christentum nichts mehr ist, sondern auch von denen, die von Herzen glauben möchten und die ihn doch noch nicht persönlich kennen, so daß sie sein Auge auf sich ruhen und ihren Willen in dem seinen aufgehend fühlen. Ich meine diejenigen, die noch nicht seine Nähe so verspürt haben, daß alles, was sie über geistige Gemeinschaft mit ihm lesen und hören, ihnen nur ein schwacher Ausdruck ist für seine Nähe, wie sie sie empfinden. Denn geistige Gemeinschaft ist etwas, das alle Worte und alle Vorstellungen tief unter sich läßt, etwas, das man erlebt, aber nicht beschreiben kann.

Nun aber, wie kommt es, daß dieser Jesus der Evangelien, dieser Hei­land der Kirchenlehre als ein lebendiges, geistiges Wesen in unser Leben hineintritt? Ihr erinnert euch, daß es in den Briefen des St. Paulus einmal heißt: «Ich will auf menschliche Weise zu euch reden» [Gal. 3,15]. So möchte ich auch auf menschliche Weise zu euch reden, denn ich fürchte, es wird in dieser Welt nicht genug auf menschliche Weise von ihm ge­sprochen.


23) Ich schreibe eine Predigt für Sonntag morgen: : «Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende», und ich spreche darin von denen, die uns helfen, weil sie mit ihren Gedanken bei uns sind, die Toten und die Lebenden, die Nahen und die Fernen! Sie wissen, daß ich das ohne Sie nicht so klar sagen könnte.»


*) Siehe dazu: Segen des geistigen Gedanken-Austausches

Gespeichert
Epidophekles
Aus der Ferne grüssend
« Antworten #25 am: 24. März 2008, 08:27:05 »

(Fortsetzung)

Am letzten Karfreitag, während wir in tiefer Ergriffenheit seines To­des gedachten, fing man in Frankreich an, sein Bild aus den Gerichts­sälen, wo er bisher nach einem alten, ehrwürdigen Brauche auf die Richter herniedergeschaut hatte, zu entfernen. Diejenigen, die das veranlaßt haben, zu denen hat man nie menschlich von ihm gesprochen, sondern nur in toten Formeln und Lehrsätzen; so meinten sie, er gehöre nur der Kirche an, und hatten keinen Respekt für seine einfache, menschliche Größe. Manchmal meint man, daß die Welt den Weg nicht mehr zu ihm findet, weil er in Lehren eingeengt ist, so, wie es herrliche, alte Kathedralen gibt, an die die Häuser so nahe herangerückt sind, daß man sie nicht mehr in ihrer ganzen Größe sieht. So muß man auch um Jesus den Platz freilegen.

Ich weiß nicht, ob ich mich irre, aber ich meine, daß viele vergebens darauf warten, daß sie seine Nähe verspüren, und daß dieses «Ich bin bei euch» an ihnen in Erfüllung gehe. Sie warten und warten, bis zuletzt diese lebendige Gemeinschaft mit ihm, wo doch erst die wahre Religion anfängt, für sie etwas Ungreifbares, Unerreichbares wird, das sich an ihnen nicht erfüllt, und auf das sie dann verzichten. Wenn uns das reli­giöse Leben der Menschen, denen wir begegnen, und vieler, die all­sonntäglich mit uns in der Kirche sind, offenbar wäre, so wüßten wir um manches stille, unerfüllte Sehnen und um manches langsame Be­scheiden, mit ihm in lebendiger, geistiger Gemeinschaft zu leben, ihn nahe zu fühlen. Es ist, als ob sie sich eine falsche Vorstellung von ihm gemacht haben. Sie erwarten einen Heiland als Tröster. Und gewiß ist er vielen als Trö­ster erst offenbar geworden, da sie in schweren Banden der Sünde und des Unglücks saßen. Und doch, ihr versteht mich recht, wenn ich es nur ganz unvollkommen und kurz sagen kann, meine ich manchmal, es sei fast etwas Unnatürliches, daß nun jeder Mensch in seinem Leben auf ein gewaltsames Ereignis oder inneres Erlebnis warten müsse, wie etwa Augustin oder Luther, daß ihm nun Jesus nahe erscheine. Das ist nicht der Weg für alle. Ich meine, viele in unserer Zeit finden ihn nicht, weil sie so auf eine besondere Trostbedürftigkeit warten, wo er ihnen soll of­fenbar werden, und weil diese nicht für sie kommt, kommt er auch nicht zu ihnen.

Wie trat er an die ersten Jünger heran? Nicht als der Trostheiland. Er tritt nicht an Menschen heran, die besonders unglücklich sind, und sagt ihnen: Kommt, ich will euch trösten, sondern an Menschen, die gesund und frisch im Leben stehen, und spricht: Kommt, «ich will euch zu Menschenfischern machen» [Mt. 4,19], das heißt: Kommt, ihr sollt mit­arbeiten an meinem Lebenswerk.

Und ist es nicht bedeutungsvoll, daß vor unserm Textworte «Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende» ein Befehl steht, sein Werk fort­zusetzen: «Gebet hin in alle Welt und lehret alle Völker» [Mt. 28,19]?

Das Ich in diesem «Ich bin bei euch» ist vor allem ein Wille. Es heißt: Ich laß euch nicht los, ihr müßt mein Lebenswerk fortsetzen. Und so geht dieses «Ich bin bei euch» über die ganze Welt von Menschenge­schlecht zu Menschengeschlecht.

Und als sie sein Lebenswerk fortsetzten im Kämpfen und Arbeiten für ihn, da erfuhren sie erst, was dieses «Ich bin bei euch» bedeutete. Das hat sich nicht geändert: Der natürliche Weg zu ihm ist, an seinem Werke zu arbeiten; und aus dieser Gemeinschaft des Arbeitens mit ihm, da kommt eine immer stärkere Gemeinschaft des geistigen Lebens, ein per­sönlicher Verkehr mit ihm.

Ist es nicht schon so in der geistigen Gemeinschaft unter den Men­schen? Diejenigen, welche uns nahegekommen sind, sind uns etwas ge­worden, weil ein selbes Streben, ein selbes Ideal uns mit ihnen verbin­det. Das hält uns mit Menschen zusammen, mit denen wir sonst nichts Gemeinsames haben und mit denen wir uns sonst nicht verstehen wür­den. So muß auch unser Menschenwille in den allgewaltigen Willen Jesu eingehen, dann wird die Gemeinschaft mit ihm geschaffen, und dann erfährt der Mensch, was es heißt: Ich bin bei dir.

Darum, wenn ich auf Menschenweise das Evangelium verkündigen darf, möchte ich zu allen Zweiflern und zu allen denen, die sich verge­bens sehnen, daß sie seine lebendige Nähe fühlen, sagen: Gut, laßt alles, Alles dahingestellt, wenn euch nur das eine bleibt: Daß er ein Mensch ist, der das Recht hat, von euch zu verlangen, daß ihr an dem Werke, das er begonnen, mithelft, und ihr dies tun wollt, dann wird schon seine herrliche Nähe über euch kommen, und ihr werdet reich und reicher werden, reicher, als ihr es euch denken könnt.

Das ist ein Gedanke, zu dem ich immer wieder zurückkehre und von dem ich ausgehe, ein Gedanke für mich wie eine Lichtung im Wald, auf der sich alle Pfade finden, weil er mein Trost war und noch ist. Man hört und liest, daß diejenigen, welche Theologie studieren, durch schwere Kämpfe hindurch müssen wegen der Zweifel, die ihnen aufsteigen bei der genauen Prüfung und Erforschung der christlichen Lehre und ihrer Geschichte und wo sie sich fragen: Ja, was kann ich denn einmal Gewisses und Sicheres predigen?

Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, denn ich habe nicht eine Se­kunde diesen Gemütszustand gekannt, da ich mir immer sagte: Und sollte alles fallen, das eine bleibt, daß wir armen, schwachen Menschen Sein Werk dürfen fortsetzen und dadurch unser Leben, Sinnen und Trachten und all unser Tun geheiligt wird. Ist das nicht genug und übergenug  zur wahren Freude, zur Seligkeit und zum Frieden? Und weil ich so seiner geistigen Nähe gewiß war, habe ich nie Zweifel und Glaubensanfechtung gekannt.

Nun werdet ihr sagen: Das ist eine zuwenig demütige Religion. Man kommt zum Heiland als ein gleichberechtigter, nicht als ein gedemütigter, gebrochener Mensch. Ich meine, die Demütigung und die Demut kommen von selbst. Wer ist in den Schatten eines großen Berges getreten und fühlt sich nicht klein? «Ich bin bei euch alle Tage» - da liegt etwas drin, das heißt: Ich bin bei euch alle Tage, um euch zu demütigen. Denn was tun wir für ihn, daß wir das Recht haben, uns als solche zu fühlen, die ihm dienen?

Ihr kennt alle die Legende vom heiligen Christophorus, der ein Kindlein über den Fluß setzen wollte, das immer schwerer und schwerer wurde, bis es ihn ganz niederdrückte. Nun, in diesem «Ich bin bei euch» liegt so etwas Niederdrückendes. Denn wer ihn nahe fühlt, der wird niedergedrückt von ihm. Nur diejenigen, die ihn nahe fühlen, die wis­sen, wie unheilig und sündig ihr Wille ist, ja, ich möchte sagen, nur die wissen wahrhaftig, was Sünde ist.

Nun zuletzt: «Ich bin bei euch», um euch zu trösten und euch über die Welt und alles Erleben hinwegzuheben. Wer die geistige Gemein­schaft mit ihm erlebt, wer Fragen an ihn richtete, auf die ihm eine Ant­wort ward - der weiß, es gibt nichts auf Erden, kein Unglück, keine Sorge, kein Elend, das größer wäre als der Trost, der von ihm kommt. So hat er dort die Jünger gestärkt: In Verfolgung und Verlassenheit, in Kampf und Todesnot durften sie es von ihm hören: «Ich bin bei euch.» Steht es nicht auf jeder Seite der Briefe des St. Paulus, dieses «Er ist bei mir». Ihr erinnert euch dieses Wortes: «Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Jesus Christus» [Phil. 4,13 ].  So kommt auch die Fülle unendlichen Trostes über jeden, der in seiner Gemeinschaft drin­steht. Selig, wer ihn gefunden.

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