Re: Hin zu Gott / geistige Wagnisse


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von AndreRademacher Andre am 14. August 2007 19:33:

Als Antwort auf: Hin zu Gott geschrieben von AndreRademacher Andre am 14. August 2007 14:12:

Aus dem Ich – hin zu Gott

Wie weit ein Christ in Gott fortgeschritten ist, kann daraus erkannt werden, wie weit er von seinem Ich entfernt ist.
Was meine ich mit dem „Ich“? Dazu gehören die persönlichen Anschauungen des einzelnen, seine Gefühlsempfindungen, seine Erinnerungen und Erwägungen, seine selbstbezogenen Interessen und Denkprozesse. Das alles gehört zum Ichleben. Wenn eine anfangende Seele sich dem Herrn öffnet, und seine Gegenwart verkostet, und in das Innere ihres Wesens einzugehen beginnt, wird sie vom Nachdenken über sich selbst wie gefesselt sein und gesteigert ichbewusst werden. Je näher sie in die Mitte ihres Seins kommt, wo sie ihrem
Herrn begegnen wird, desto mehr wird sie von sich selbst in Anspruch genommen sein. Hat sie das Innerste ihres Wesens erreicht, verliert sich die Selbstbetrachtung. Ihre Empfindungen, ihr Nachdenken, ihre Eigeninteressen und persönlichen Erwägungen schwächen sich ab. Im gleichen Verhältnis, wie sie ihr Ich hinter sich zurücklässt und über ihr Ich hinausgeht, schaut sie immer weniger auf sich, weil ihr Gesicht nicht mehr sich selbst, sondern Gott zugewandt ist.

Sich zu prüfen ist im Anfang wichtig und hilfreich, aber zu diesem Zeitpunkt wäre es schädlich.
Wer auf dem Weg des inneren Lebens zu wandeln begonnen hat, zeigt sich in seinen Anschauungen naturgemäß noch sehr selbstbezogen und in der Vielfältigkeit zerstreut. Das kann auch gar nicht anders sein. Erst nach und nach vereinfältigt sich die Seele, und lebt eingesammelt in ihrem Geist, ohne jedoch den Kontakt zu ihrem Ich leben zu verlieren. Später lebt sie nicht mehr in der Anklebung an sich selbst, da ihr Auge einfältiger geworden ist.
Noch einmal will ich auf das Rasthaus zu sprechen kommen. Nähert sich der Wanderer der Herberge, so tritt sie immer mehr in sein Gesichtsfeld. Er muß nun nicht mehr auf der Karte nach dem Weg suchen oder sich mühsam orientieren. Er kann nun seinen Blick unverwandt auf das erste Ziel seiner Reise richten – nämlich auf den Gasthof, der vor ihm liegt. Er tritt ein und wird nun nicht länger mehr über die zurückgelegte Wegstrecke oder über den Gasthof selbst nachdenken. Dieser Ort ist ein Ort des Ausruhens. Er ist im Zentrum angekommen. Die Beschwerden der Reise und die Ankunft liegen hinter ihm. Überschreitet der Christ diesen Punkt, gelangt er in einen Zustand, in dem die Wahrnehmung seiner selbst nahezu gänzlich aufhört. Seine Sinne sind durchtränkt mit dem Anschauen Gottes, der Gemeinschaft mit Gott, des Seins mit Gott, ja des Verlorenseins in Gott. Er ist – wie man sogar sagen kann – im Abgrund Gottes verloren. Er kann so weit kommen, daß er nichts anderes mehr wahrnimmt oder unterscheidet als nur seinen Herrn. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß zu diesem Zeitpunkt jede Selbstprüfung seiner Gemeinschaft mit Gott hinderlich sein würde.
Nun müssen wir fragen, auf welche Weise man sich so selbst verlieren kann? Die Antwort lautet: Durch die bedingungslose Überlassung des Willens. Wie meine ich das?
Der Wille regiert die Tätigkeit unseres Verstandes und unser Erinnerungsvermögen. Obwohl beide jeweils für sich gesehen werden können, sind sie doch eins. Wer im Innersten seines Wesens angelangt ist (d.h. wer das Rasthaus erreicht hat), muß bereits seine Kräfte des Verstehens und sein Gedächtnis Gott übereignet haben. Beide Bereiche sollten Gott gänzlich überlassen werden, und sonst niemand anderem. Weder das Ich noch andere Menschen haben ein Anrecht darauf, sondern nur Er allein.
Der Mensch, der jene Grenze bereits überschritten hat, nämlich das Verlassen seiner selbst und die Überlassung der Willenskraft, ist in seiner Wesensart und seinem geist–seelischen Aufbau ein nahezu völlig anderer Mensch, und nicht mehr zu vergleichen mit einem solchen, der mit der Einkehr in sein Inneres gerade beginnt. Darum will ich alle ermutigen, die wahrhaft nach Gott verlangen, über diesen Stand hinauszugehen.
Wer ruhig und unbeweglich in Gott verankert leben will, hat noch eine weite Wegstrecke zurückzulegen. Das Innenleben eines Menschen wird nicht so schnell verändert oder umgewandelt. Die Ankunft im Rasthaus, ein erstes Eindringen in die Tiefen der Gottheit, wandelt unseren Wesensgrund noch nicht. Wir müssen uns unaufhörlich in unser Innerstes wenden, wenn wir wahrhaftig Gott zugewandt leben wollen.
Daher würde ich niemals bei etwas verweilen wollen, was bisher in diesem Buch geschrieben steht! Man sollte nicht immer und immer wieder das gleiche lehren und über das gleiche belehrt werden. Man befiehlt auch nicht der Nahrung im Magen, sie solle wieder in den Mund
zurückkommen. Das wäre der Vorbote eines sicheren Todes. Das Rasthaus ist immer nur der erste, einführende Schritt. Verweilt dort nicht. Falls ihr über das inwendige Leben predigt, und andere lediglich bis dorthin zu führen vermögt, habt ihr wenig oder gar nichts erreicht! Im Gasthaus angekommen, muß der Christ die weiterführenden, dahinter liegenden Landstriche erforschen, und das möglichst häufig und mit beständigem Sinn. Wir werden nur allmählich umgewandelt.

Madam Guyon

http://www.geistiges-licht.de/ konkret/Guyon.html

Der wahre Beginn geistlicher Wagnisse

Hat ein Christ im inneren Leben erst einen Anfang gemacht, so mag er manche Schwierigkeiten haben, Nutzen aus dem Vergleich mit dem Rasthaus zu ziehen. Hat er sich aber erst über jene Linie hinausgewagt, den umherschweifenden Sinn und die vielerlei Gedankenbilder hinter sich gelassen, und die anfänglichen Empfindungen des Einsseins mit Gott zu kosten begonnen, so wird er vor Freude und Wonneglück übersprudeln. Aber hier ist schon wieder eine Gefahr, daß er denken könnte, nun habe er das wahre Christentum gefunden. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Denn in diesem Abschnitt seiner geistlichen Pilgerschaft umwirbt ihn der Herr mit mancherlei empfindbaren Freuden, als da sind Lichter, Begünstigungen und andere Gnadenerweise.
Wahrlich, eine wunderbare und erinnerungswürdige Zeit. Das wirkliche Abenteuer aber liegt noch vor ihm, ebenso die Schickungen und Proben.
Nicht viele Christen verlangen nach tieferer Gemeinschaft mit dem Herrn. Viele versuchen nicht einmal das Rasthaus zu erreichen. Andere, die es tun, ziehen sich oft entmutigt zurück. Die wenigen die weiterwandern – und die Kostbarkeit der Vereinigung mit Christus zu erahnen beginnen, da sie durch manche himmlische Gnaden und wunderbare Salbungen erquickt werden – fallen sehr oft spätestens dann zurück, wenn die anfängliche Begeisterung abgekühlt ist. Das Neue nutzt sich mit den Jahren ab, und die Übungen des Umgangs mit Gott werden zur Gewohnheit.
Denn es kommt der Zeitpunkt im Leben der Seele, da ihr der Herr das vormalige Gefühl der Freude wegnimmt. Die empfindbare Gnadenkraft wird spürbar zurückgehen. Zur gleichen Zeit kann Verfolgung über sie hereinbrechen – Verfolgung, nicht zuletzt von christlichen Personen, die ein religiöses Amt bekleiden. Ferner können Widerwärtigkeiten in ihrem persönlichen Umfeld oder Haushalt auftreten. Auch können sich gesundheitliche Unannehmlichkeiten einstellen. Auf irgendeine Weise werden zahlreiche Schmerzen oder Verluste einkehren, die scheinbar nicht zu überschauen sind. Die Seele wird Erfahrungen machen, deren Einzigartigkeit sie in Schrecken versetzt. Vertraute christliche Freunde werden sich von ihr abwenden oder sich sonst irgendwie lieblos verhalten. Sie wird sich ungemein ungerecht behandelt vorkommen. Dieses Empfinden geht nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Gott, da es mitten in so vielen Leiden und Verwirrungen scheinen wird, als hätte auch Gott sie verlassen.
Wenn der Herr sich nun dem Anschein nach aus ihrem Geist zurückgezogen hat, wenn alles wie abgestorben erscheint, während das ganze Weltgefüge über ihnen zusammenbricht, wenn Freunde sich von ihnen abkehren und schmerzvolle Bitterkeiten in ihrem Leben überhand nehmen, da geben nicht wenige Gläubige die Reise auf.
Jetzt wird ihre Jüngerschaft wahrhaft auf die Probe gestellt. Erst zu diesem Zeitpunkt wird unsere Hingabe an Christus geprüft. Vorher war es noch eine gewisse Abenteuerlust, eine Begeisterung zum Vorstoß in unbekannte Tiefen, aber auch der Jubel über das Erleben
gesegneter Gottesgemeinschaft. Nun aber liegt das Land der Verheißung noch in weiter Ferne, denn es liegt immer hinter einer weiten Wüste, so daß der Genuss aller Verheißungen erst jenseits der Wüste erfahren werden kann.
Hat ein Christ diese geistige Wüste erreicht, diesen Ort gänzlicher Verlassenheit, diese dunkle Nacht der Sinne, diese Teilnahme am Aufschrei Christi „Warum ...?“, so erfährt er erst von jetzt an, auf dem Weg des entblößten Glaubens, die wahrhaftige Gründung und Auferbauung im Herrn.
Da sind es nur noch sehr wenige, die mit Stillschweigen und Gelassenheit nicht aufhören, nach Gott zu verlangen. Sie warten verborgen, demütig, unscheinbar, unbelohnt, ohne Aufsehen zu erregen. Sie erwarten nichts, außer daß Gott, und nicht die Kreatur, gepriesen wird!
Der Anfang beginnt erst dort, wo wir alles (in unserem Allerinnersten) verloren haben, ja sogar unsere tiefere Gemeinschaft mit Christus.
Wenn ihr das Rasthaus erreichen könnt, ohne Gefühlsregungen oder Sinneseindrücke zu erwarten; wenn ihr weiterzugehen vermögt ohne den Herrn zu schauen; wenn ihr Ihn als den Gegenwärtigen erkennt durch die Augen des Glaubens; wenn ihr in Christus fortzuschreiten vermögt ohne Lichter, ohne Empfindungen, ohne auch nur das zarteste Anzeichen göttlicher Gegenwart zu bemerken; wenn ihr vor Ihm ausharrt, während alles in euch und um euch entweder zerbricht oder wie tot aussieht; und wenn ihr glaubensvoll gelassen vor Ihn treten könnt, ohne Fragen oder Wünsche, um Ihm Lobpreis darzubringen ohne zerstreute Gedanken, ohne bewusste Wahrnehmung des Ichs, ohne Ihn geistlich zu empfinden, während euer ganzes Wesen gesammelt und Ihm zugewandt bleibt; dann wird eure Liebeshingabe erstmalig auf die Probe gestellt. Und dann wird die Entdeckungsreise des christlichen Lebens ihren Anfang nehmen.

Madam Guyon

http://www.geistiges-licht.de/ konkret/Guyon.html





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