Hin zu Gott


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von AndreRademacher Andre am 14. August 2007 14:12:

Gott kann nicht außerhalb seiner selbst gefunden werden

Oft ist mir die Frage gestellt worden, ob ein Anfänger auf dem inneren Wege den Herrn zuerst auf äußerliche Weise, und erst nachher in sich selbst suchen soll? Ein Anfang im geistlichen Leben ist nur dann ein rechter Anfang, wenn der Herr nicht auf Umwegen gesucht wird! denn das käme einem großen Fehler gleich. Sucht ein junger Gläubiger Gott auf eine mehr äußerliche Weise, so wird er nach einem Gott Ausschau halten, der äußerlich wahrnehmbar und unterscheidbar ist. Das wird zuletzt zu einer traurigen Begebenheit, da er von einem Ende des Himmels bis zum andern nach seinem Gott suchen muß.
Was wird nun die natürliche Folge eines solchen Fehlers sein? Anstatt im inwendigen Christenleben heranzureifen, mit eingesammeltem Wesen in Gottes Gegenwart zu wandeln, und den Herrn innerlich anzurufen, wird dieser junge Gläubige seine Kräfte damit vergeuden, den Herrn an einem Ort zu suchen, wo Er nicht aufzufinden ist.

Euch ist sicher das Verfahren bekannt, womit ein Künstler die für sein Gemälde geeigneten
Linien zieht. Er führt von vielen auseinander liegenden Punkten Linien auf einen zentralen Punkt in der Mitte des Bildes. Jede Linie wird kraftvoller, wenn sie sich einer andern nähert, und alle Linien berühren sich in einem Schnittpunkt nahe der Bildmitte. Umgekehrt wird jede Linie schwächer und unbestimmter, je mehr sie sich vom Zentrum entfernt. So verhält es sich auch im Leben der Gläubigen. Der Gläubige wendet sich einwärts, in seinen Geist hinein, und der Herr begegnet ihm dort – in der Sphäre des Geistes. Je öfter dies geschieht, desto gewaltiger wird die Liebesneigung zu Gott hin, und desto umfassender wird ihm die Kraft zur Erfüllung der Werke Jesu gegeben.

Wenn ihr nun wieder auf das Gemälde blickt, so seht ihr die Linien weit verstreut, aber auch, wie sie sich allmählich in der Mitte vereinigen. So ist es auch mit der Seele. Sie kommt von vielen zerstreut liegenden Orten her, und geht in ihr Zentrum ein, wo nichts getrennt und nichts unterschieden wird. An diesem Ort erhält die Seele die Befähigung, ja die Vollmacht, Gott zu besitzen. Wenn ein Christ innerlich vom Geist geleitet werden will, muß er Gott in seinem Inwendigen suchen ... Das geschieht durch eine Sammlung aller Gedanken zu Ihm hin. Ohne das wird er das Allerinnerste, die Wohnstätte Gottes in ihm, nicht erreichen. Dort angekommen, muß er aber wieder hinausgehen (nicht im Sinn einer Rückkehr zu der Vielzahl von äußerlichen Orten, sondern indem er durch sich und über sich hinausschreitet), und noch weiter nach innen gehen, hinein in das Allerinnerste Gottes. Das ist die Verlassung seiner selbst. Die Seele geht aus sich aus, nicht indem sie nach außen von sich weggeht, sondern indem sie nach innen von sich weggeht. Lebt sie mit ihren Gedanken und ihrem ganzen Wesen eingesammelt, so verlässt sie sich selbst, nämlich das Zentrum der Geschöpflichkeit, und verliert sich im Zentrum ihres Schöpfers.
Stellt euch den Raum der Seelenwelt einmal als eine Art Rasthaus oder Gasthof vor. Der Reisende wird notwendig auf seiner Reise beim Gasthof vorbeigehen. Hat er sich dort eine Weile aufgehalten und will weitergehen, so lenkt er seine Schritte nicht wieder zurück, sondern schreitet auf der Landstrasse vorwärts. Je weiter er sich vom Gasthof entfernt, desto mehr lässt er auch sich selbst zurück, nicht in Bezug auf die Sichtverbindung, sondern auch in Bezug auf sinnliche und äußere Empfindungen. Wer sich dem Innersten seines eigenen Wesens nähert, wird dort Gott finden. Der Gläubige ist eingeladen, aus sich selbst auszugehen und weiter nach innen zu gehen.

Haben wir diesen Punkt erreicht, gehen wir in unseren Herrn hinein. Hier, im Allerinnersten unseres Seins, begegnen wir Ihm. Gehen wir über diesen Punkt hinaus, finden wir Ihn wahrlich an einem Ort, wo das Selbstleben nicht mehr ist. Je weiter unsere Reise geht, je weiter wir uns in Ihm verlieren, desto weiter bleibt unser Selbst zurück und entfernt sich immer mehr.

Madam Guyon

http://www.geistiges-licht.de/ konkret/Guyon.html





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