Re: Geistiger Tiefstand


  Endzeitprophetie  

Geschrieben von AndreRademacher Andre am 01. August 2007 15:51:

Als Antwort auf: Re: 'Lateinische' Texte noch nicht gefunden? geschrieben von Geistiger TIEFSTAND ist erreicht 2 am 31. Juli 2007 08:57:

Auch wenn der Lateinische Text noch nicht gefunden ist.
Ist doch der wahre Weg wichtiger.

Hier eine kleine Perle
Die Übungen kann einjeder überall Nachvollziehen.
Grüße
André

WEISUNGEN AN EINEN ORDENSGEISTLICHEN
ZUR ERLANGUNG DER VOLLKOMMENHEIT

1. Euer Hochwürden baten mich um vieles in wenigen Worten. Dafür wäre viel Zeit und Papier vonnöten. Da mir beides fehlt, will ich eine Zusammenfassung darbieten und nur einige Weisungen vorlegen, die im Ganzen viel enthalten und dem, der sie befolgt, viel Vollkommenheit vermitteln können. Wer ein wahrhafter Gottesdiener sein will, wer den Vorsatz hat, seine heiligen Gelübde zu erfüllen und in den Tugenden sich zu vervollkommnen und die holden Tröstungen des Heiligen Geistes zu genießen, der kann nicht anders, als mit größter Gewissenhaftigkeit folgende vier Weisungen befolgen: Ergebung, Demütigung, Ausübung von Tugenden und leibliche wie geistige Einsamkeit.

2. Um das erste, Ergebung, zu bewahren, muß einer so im Kloster leben, als wäre er der Einzige, der darin weilt. So möge er sich niemals in Worten oder Gedanken in die Angelegenheiten der Gemeinschaft oder der Einzelnen ein mischen; er möge ihr Gutes und ihr Schlechtes nicht vermerken wollen, noch ihre Eigenarten, nein, nichts davon vermerken, nicht sich einmischen, ginge auch die Welt unter. So wird der Friede der Seele bewahrt, im Gedenken an Lots Weib, das den Kopf nach dem Geschrei der Untergehenden wandte und deshalb zu hartem Stein wurde. Das müssen Sie mit großer Kraft durchführen; so werden Sie sich von vielen Sünden und Unvollkommenheiten freihalten und die friedvolle Stille Ihrer Seele bewahren, zu Ihrer großen Förderung vor Gott und den Menschen. Achten Sie genau darauf; denn viele Ordensleute, die dies vernachlässigten, konnten sich nicht durch andere Tugendwerke und Ordensleistungen auszeichnen, sie fielen zurück, vom Schlechten zum Schlimmeren.

3. Um das zweite, Demütigung, zu üben und dadurch zu wachsen, müssen Sie folgende Wahrheit beherzigen: in das Kloster sind Sie nur eingetreten, damit dort die Tugend aus Ihnen herausgemeißelt wird, nicht anders wie ein Stein behauen und geglättet werden muß, bevor er in das Gebäude eingefügt werden kann. Und so müssen Sie alle im Kloster so ansehen, als wären sie von Gott eingesetzte Werkleute, dazu bestimmt, Sie durch Demütigungen zu formen und zu glätten. Und die einen haben Sie durch das Wort auszumeißeln, durch mißliebige Ausstellungen; andere durch das Werk, indem sie Ihnen in schwer erträglicher Weise entgegenarbeiten; andere durch ihr Wesen, das Ihnen an sich lästig und beschwerlich ist, ebenso wie durch ihr Verhalten, andere durch ihre Gedanken, in denen Sie ein Fehlen von Schätzung und Liebe für Ihre Person zu erkennen glauben. Und all solche Demütigungen und Beschwerden müssen Sie mit innerer Geduld erleiden, in Schweigen aus Liebe zu Gott, in der Einsicht, daß Sie nur für dieses Zurechtmeißeln in den Orden gekommen sind, um auf diese Weise des Himmels wür dig zu werden. Wäre nicht dies das Ziel, dann bliebe man bes ser, statt ein Ordenskleid zu nehmen, in der Welt und suchte dort seinen Trost, Ehre und Ansehen und Zwanglosigkeit.

4. Und diese zweite Weisung ist unabweislich für den im Orden Lebenden, will er anders seinem Stande genügen und wahre Demut, Gelassenheit und Freude im Heiligen Geiste finden. Und wenn er sich in solchem nicht betätigt, dann versteht er es nicht, ein Ordensglied zu sein, und weiß nicht einmal, warum er in den Orden eintrat; weiß vielmehr nur sich selber zu suchen, nicht Christus. Weder wird er in seiner Seele Frieden finden, noch wird er aufhören, zu sündigen und sich wieder und wieder zu verwirren. Denn niemals fehlen im Orden Gelegenheiten zum Sündigen, auch ist es nicht Gottes Wille, daß sie fehlen. Er beruft die Seelen da hin, damit sie sich erproben und läutern, wie Gold bei Feuer und Hammer; und so dürfen Prüfungen und Versuchungen durch Menschen und Dämonen, durch Feuer der Angst und Trostlosigkeit ihnen nicht fehlen. In solchen Anfechtungen soll der Mönch sich erproben und danach streben, sie mit Geduld und in Angleichung an Gottes Willen zu bestehen, statt sich in der Prüfung so zu verhalten, daß er statt Gottes Billigung seinen Tadel erfährt, weil er Christi Kreuz nicht in Geduld tragen wollte. Da viele Ordensleute den Sinn ihrer Berufung nicht richtig erfassen, ertragen sie die Mitbrüder schlecht und werden zur Zeit der Rechenschaft beschämt in ihrem Selbstbetrug dastehen.

5. Um das dritte ins Werk zu setzen, die Ausübung der Tugenden, muß man Beständigkeit in den Aufgaben seines Ordens und im Gehorsam bezeigen, ohne Rücksicht auf die Welt, einzig Gott zuliebe. Und um das rückhaltlos durchzuführen, legen Sie nie Gewicht auf das Angenehme oder Unangenehme Ihrer Arbeit, nicht auf die Neigung, sie durchzuführen oder zu lassen; verweilen Sie bei dem guten Grunde, sie für Gott zu vollenden. So müssen Sie alles, das Wohlgefällige wie das Abstoßende, nur in der Absicht tun, Gott damit zu dienen.

6. Und um mit starkmütiger Beständigkeit sich zu betätigen und die Tugenden bald ans Licht zu fördern, seien Sie immer darauf bedacht, sich mehr dem Schwierigen als dem Leichten zuzuneigen, mehr dem Rauhen als dem Sanften, mehr dem Peinvollen und Widrigen einer Arbeit als dem Lustvollen und Angenehmen. Und erwählen Sie nicht das geringere Kreuz, weil es Ihnen als leichtere Last erscheint; vielmehr: je schwerer es drückt, um so leichter ist es, sofern es für Gott getragen wird. Streben Sie auch danach, den Mitbrüdern bei allen Erleichterungen den Vorrang vor sich selber zu geben. Suchen Sie sich immer den niedrigsten Platz, und das aus aufrichtigem Herzen; denn das ist die Weise im Geiste der Höhere zu sein. So sagt es Gott im Evangelium: «Wer sich erniedrigt, soll erhöht werden» (Lk 14, 11).

7. Um das vierte, die Einsamkeit zu erringen, müssen Sie alle Dinge der Welt als abgetan ansehen; und wenn es unvermeidlich ist, sich mit ihnen zu befassen, dann so unbeteiligt, als wären sie nicht,

8. Und um die Dinge draußen kümmern Sie sich nicht; hat Gott Ihnen doch die Sorge um diese abgenommen. Das Geschäft, das eine dritte Person für Sie erledigen kann, betreiben Sie nicht selber; denn es ist gut für Sie, niemanden sehen zu wollen und von niemandem gesehen zu werden. Und halten Sie es sich gegenwärtig: wenn Gott von jedem seiner Getreuen für ein müßiges Wort genaue Rechenschaft verlangt, wie erst von einem ihm Geweihten, der ihm sein ganzes Leben und Wirken dargebracht hat, wie erst wird er von ihm für alle Worte Rechenschaft fordern!

9. Ich will damit nicht sagen, Sie sollten Ihr Amt und irgend ein anderes, das Ihnen der Gehorsam auferlegt, nicht mit aller erforderlichen Gewissenhaftigkeit ausüben. Nur, Sie sollen es derart verwalten, daß sich Ihnen nichts Schuldhaftes anheftet; so weit zu gehen verlangt weder Gott noch der Gehorsam. Darum bemühen Sie sich, ständig im Gebet zu verweilen; und auch inmitten von körperlichen Betätigungen lassen Sie nicht davon ab. Ob Sie essen oder trinken, ob Sie mit Weltleuten oder mit irgend etwas anderem zu tun haben, bewahren Sie in Ihrem Herzen immer dabei ein Verlangen nach Gott, eine Hinneigung zu ihm in Ihrem Herzen. Das ist höchst notwendig für die inwendige Einsamkeit, darin die Seele keinen Gedanken hegen darf, der nicht Gott gälte, und alles vergessen soll, was in diesem elenden und kurzen Leben besteht und vergeht. Begehren Sie auf keine Weise anderes Wissen als wie Sie Gott mehr dienen und die Aufgaben Ihrer Gemeinschaft besser durchführen können.

10. Befolgen Euer Hochwürden diese vier Dinge mit Sorgfalt, dann ist das Ziel der Vollkommenheit bald erreicht. Die vier Weisungen stützen sich wechselseitig; fällt eine von ihnen aus, dann geht auch die Förderung, die durch die an deren Weisungen gewonnen werden könnte,
mit verloren.
JOHANNES VOM KREUZ





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