Wenn etwas offen vor uns liegt, können wir es wahrnehmen und annehmen oder darüber hinweg gehen, so wir nicht schlafen oder tot sind. Sehr vieles liegt ständig offen vor uns oder begegnet uns stets neu.
Als Neugeborenes tritt man in eine fremde Welt ein, in der man ganz hilflos ist, wo die Augen noch geschlossen sind und offenbar nur Schreien möglich ist. Andere Bewegungen ausser Zappeln fallen nicht so auf, nur dass das Kind an der hingereichten Mutterbrust Trost findet. Die Mutterbrust ist für das Kind eine Art Offenbarung, die von der Mutter ausgeht und vom gesunden Kinde angenommen wird. Das Kind wächst heran, weil es die rechte Nahrung zu sich nimmt.
Was passiert mit einem Kind, das ohne menschliche Umgebung aufwächst? Es nimmt, so es nicht stirbt, dasjenige auf, was es in seiner Umgebung vorfindet. Wenn es keinem Menschen begegnet, hält es sich an seine Umgebung und sein erwachender Geist gestaltet sich demgemäss. Der Körper wächst fast unabhängig davon, bzw. das für den Körper Notwendige liegt offener vor ihm als was Seele und Geist benötigen. Es übernimmt Sprache und Ausdrucksweise von dem, was sich ihm offenbart und sich ihm erschliesst. Ist kein Leben um es herum, so kann es auch nicht leben.
Und so könnte die ganze Betrachtung nun weitergeführt werden bis zu dem Punkt, wo unsere Reife es noch zulässt. Das alles kann nachgelesen werden, kann aufgrund unserer Sprache und unseren vielfältigen Erfahrungen beobachtet, wahrgenommen und verstanden werden.
Was macht der Mensch daraus? - Er lernt sich kennen, bemerkt, dass er Einfluss nehmen kann auf seine Umwelt. Der gesunde Mensch lernt so eindeutig zwei verschiedene Welten kennen: diejenige ausser sich und diejenige in sich, eine Welt, die sich ihm entgegenstellt, und ein Wesen und Sein, das er selbst ist und sich innen abspielt.
Heute wird verlangt, dass das Kind früh zur Schule geht und von der Welt lernt, um in ihr stark zu werden und möglichst grossen Einfluss nehmen zu können. Die Welt drängt sich ihm auf, es muss das annehmen, was die Welt ihm offen vorlegt. Der Weltgeist will sich ihm offenbaren und fordert Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft. Im Laufe der Jahre erschliesst sich die Welt ihm aufgrund ihrer Offenbarungen und der Mensch eignet sich davon alles Mögliche an, so wie es ihm empfohlen wird oder sein eigner Wille ihn drängt. Immer wieder treten Konflikte auf, wenn Inneres und Äusseres nicht übereinstimmen und im Widerspruch miteinander liegen. Je besser der Mensch auf die äusseren Anforderungen eingehen kann, umso fähiger wird er im Umgang mit ihr. Ob er sein Inneres so leicht verändern kann oder ob es übereinstimmt mit allem, was der Weltgeist fordert, ist fraglich, aber der menschliche Verstand kann Oberhand gewinnen und den Weg in der Welt bestimmen wollen und beginnt zu rechnen und zu überlegen. - Die Augen des Verstandes werden für die Welt weit aufgetan und möglichst alles verdrängt, was innerlich eine andere Sprache sprechen will. Nicht viele sind es, welche beides unter einen Hut bringen: der inneren Stimme zu folgen und in der Welt mitzulaufen, wie es verlangt wird. Eher verkümmert das innere Gewissen und der Verstand übernimmt die Herrschaft auch über das Herz.
Was ist denn das "Innere"? Warum ist es? Was lebt denn da? Hat es eine Herkunft? Der Weltverstand sucht die Antwort im Äusseren, in der Materie, in chemischen oder physikalischen Eigenschaften und schafft einen Geist hinein, der seinem Verstand entspringt. Ein Quell der Kraft, der weit ausserhalb seines Verstehens liegt, will er nicht mit einbeziehen, denn er will die Welt gewinnen und beherrschen und kann nicht auf das hören, was ihn etwas anderes lehren will.
Nun kommt es darauf an, ob es einen solchen Quell gibt und ob dieser Quell lebendig genug und auch "klug" ist. Kann es sein, dass unser innerstes Leben höher steht als die äusseren Gegebenheiten, die alle so schnell dahin eilen, an die wir hart anstossen und die uns immer wieder entfliehen, ja oft gar plötzlich in Nichts zerfallen? -
Wenn es diesen Quell innerer Lebenskraft gibt, der über der Weltintelligenz steht, so wird er sich uns auch offenbaren, um erkannt werden zu können. Aber wie? Auf die innere Stimme zu hören, werden wir ja nicht mehr wirklich gelehrt, sondern im Gegenteil auf die Welt getrimmt und vom inneren Gewahrsein getrennt. Da jenes uns verborgen gebliebene fügsam weiche Leben, welches in der Liebe zu allen ruhig und stetig wirkenden Kräften in allem Sein waltet, nicht mehr innerlich wahrgenommen wird, sondern stark überlagert ist vom Weltverstand, bleibt der innere Quell verschlossen, da er nicht gewaltsam Leben schaffen kann. Will sich dieser Quell trotzdem erkenntlich machen, muss er einen äusserlichen Weg suchen, um dem Menschen begegnen zu können. Das ist dann sein Weg über die äussere Offenbarung, weil der innere verschlossen ist und nur so wieder unter Beteiligung des menschlichen Willens geöffnet werden kann.
Diese Offenbarung des Quells unseres Seins geschieht in verschiedener Weise. Eine der geistreichsten Weisen ist jene über Worte der Liebe und Weisheit. Gott ist der Quell unseres Seins, Er ist der Schöpfer allen Seins, Er wird uns äusserlich im Wort begegnen, wenn unser Inneres verschlossen ist. Weil wir unseren Verstand so gut ausgebildet haben, müsste er, so er wirklich die Wahrheit objektiv angeht, auch verstehen lernen können, was uns Gott durch das Wort lehrt. Nur ein eigensüchtiger, von sich selbst verblendeter und berechnender Verstand wird tendentiell nur das annehmen, was ihm persönlich nützlich erscheint, und alles andere zu verleugnen versuchen.
Gott offenbart Sich im Wort, damit unser Verstand verstehen kann und seine Grenzen auslotet. Über den Verstand können wir Wissen entgegennehmen, das ihm fremd geworden ist. Der menschliche Wille kann dann prüfen, was ihm wichtig und wesentlich erscheint und kann wählen und sich entscheiden.
Es gibt Menschen, die das so weit noch verstehen, aber sie halten es nicht für möglich, dass Gottes Wort uns frei von Unreinheiten - uns angemessen - übermittelt werden kann. Klar, es gibt so vieles, was sich als Wort Gottes ausgibt, jedoch nur schwacher Abglanz dessen ist, und viel mehr menschlich durchtränktes, weil stark durch den eigenen Willen bewerkstelligtes Geistesgut ist. Gott aber ist mächtig genug, um uns zwanglose Reinheit zukommen zu lassen.
Es muss uns die Offenbarung Gottes begegnen, denn der Mensch gestaltet sich nach dem, was ihm offenbart wird und er sich ausrichtet. Die Offenbarung Gottes kann den menschlichen Geist am ehesten über das Wort erreichen, durch welches seine Tätigkeit gefordert ist und sich weiter ausbilden kann. Solche Offenbarungen haben wir in der Bibel, welche eine von Menschen zusammengetragene Sammlung von möglicherweise von Gott stammenden Worten ist. Nur hat der Mensch da stark mitgewirkt und will nun besser als Gott Selbst Sein Wort zu verstehen geben und uns in Richtungen drängen, die oft so verschieden sind, wie die Unreife der Lehrer.
In Jesus hat Sich uns Gott in einzigartiger und reinster Weise offenbart! In Jesus hat das Wort Selbst Fleisch angenommen. Wer Sein Fleisch, das reine Wort Gottes, zu sich nimmt, wird leben. Wer Sein Blut, die Liebe, trinkt, wird ebenfalls leben. Jesus ist auferstanden, lebt im Geiste des Vaters ewig fort und ist uns zum Erlöser geworden, so wir Ihn nur um Hilfe bitten. Jesus Christus ist uns zum Heiland und Retter geworden, Er wird sich uns auch immer zuwenden. Doch Seine Offenbarung müssen wir erkennen, wollen wir die rechte Nahrung für die Seele finden. Jesus, der Auferstandene und in Gottes Segen eins gewordene Geist begegnet uns wie Gott Selbst im Wort, Er schweigt nicht. Horchen wir hin!
Gott muss sich immer wieder offenbaren und kann es auch und wird es auch, um uns mit Seinem reinen Geist zu segnen. Seit der Erlösungstat Jesu und Seiner gänzlichen Vereinigung mit dem Vater offenbart Er Sich uns an Gottes Stelle. Nur liegt es jetzt wieder an uns, herauszufinden, was wahr sei und richtig ist an dem, was wir von Menschen hören und angeblich von Gott gelehrt werden soll. Wir sind mündig und uns ist alles Notwendige gegeben, um uns für das ewige Leben zubereiten zu können. Jeder muss sich in lauterer Klarheit und mit ernstestem Willen ganz bewusst fragen, was sein Beweggrund zur Ablehnung oder Anerkennung einer Lehre ist. Je selbstloser und offener, umfassender und liebevoller des Menschen Bemühen ist, desto näher wird er der Wahrheit sein.
Ich will diesen Weg gehen und dem Herrn begegnen und Seine Offenbarung finden und nützen. Ich will Ihm ermöglichen, dass Seine Stimme auch durch mich erklingt. Noch bin ich nicht rein, aber ich kann doch Hilfe sein und Anregung geben, das reine Wort Gottes zu suchen. Ich gebe Empfehlungen ab und will treu zu dem stehen, was ich bisher als wahr erkannt habe, immer auch bereit, alten Ballast abzuwerfen und der Stimme zu folgen, die in lebendiger Weise verdunkelt und verleugnet von der Welt überall vorangeht. Es ist uns alles gegeben, wir müssen nur wach sein wollen, die Wahrheit erkennen wollen, sie über alles lieben, denn in Gott allein ist alle Wahrheit.
Gott bietet uns die rechte Nahrung für die Seele, nach welcher sie sucht. Doch wir lassen uns ablenken, weil die Welt unseren Geist in Beschlag nimmt und die Kraft der Seele so schwach geworden ist. Unser Verstand hingegen ist bestimmend geworden und will stark und erfolgreich in der Welt stehen. Die Hungrigen sehen oft auch nicht mehr recht und gehen am Brot des Lebens vorbei. Sie weinen und schreien, aber die Mutterbrust sehen sie nicht. So ist heute die Welt, die Menschheit. Sie ist unfähig geworden, die Wahrheit zu erkennen und zu ergreifen. Sie will selbst bestimmen, will selbst Gott spielen - und wählt den Weg des Todes. Sollen wir hilflos zuschauen oder das uns Mögliche tun und zu wecken und rufen versuchen?
Gott ist da, er ruft! Doch unsere Mitmenschen sehen Ihn nicht. Aber uns sehen sie, wir können auf Ihn aufmerksam machen. Nur das Wie ist nicht so leicht. Es erfordert unsere eigene Läuterung und Lauterkeit, Geduld und wachsamen, stets demutsvollen Geist, der willig ist und gerne bereit, zu tun, wozu Gott das Herz antreibt. So viel habe ich erkannt und ich will darin ganz lebendig werden, weil ich Gottes Liebe sehe und ihr gerne dienen will.
Epidophekles, am 1. Februar 2007